Buchempfehlung: „Die Welt reparieren“

Das kürzlich beim Transcript-Verlag erschienene Buch „Die Welt reparieren“ ist eine wirklich empfehlenswerte Lektüre für Maker und Leute, die sich für Themen wie Offene Werkstätten, gemeinsames Selbermachen und OpenSource-Initiativen wie OpenSourceEcology interessieren.

Es bietet dabei eine umfassende Übersicht an aktuellen Projekten und stellt diese im Praxisteil ausführlich vor. Ausserdem gibt es einen Theorieteil mit Artikeln bekannter Autoren wie Neil Gershenfeld (dem Begründer der FabLab-Bewegung), welche die Visionen und Gesellschaftlichen Auswirkungen solcher Projekte im sozio-ökonomischen Kontext und im Hinblick auf Nachhaltigkeit, Subsistenz und Ressourcenbasierte Wirtschaft analysieren.

Kleiner Tipp: Auf der Buchseite des Transcript-Verlages http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3377-1/die-welt-reparieren kann man oben rechts auf den OpenAccess-Button klicken und das Buch dann kostenlos als .pdf-Version herunterladen.

Wenn Ihr aber eine Hardcopy vorzieht oder z.B. noch ein schönes Weihnachtsgeschenk sucht, dann unterstützt Ihr durch den Kauf des Buches den Herausgeber „Die Anstiftung e.V.“, eine gemeinnützige Organisation, welche sich bereits durch viele gute Taten und Förderungen im Bereich „Offene Werkstätten“ etc. ausgezeichnet hat.

Ab der Buch-Seite 224 (bzw. S. 228 im .pdf-Dokument) gibt es auch einen Artikel über OpenSourceEcology und die Aktivitäten von OSEG, wo u.a. auch zwei Projekte (Zink-Luft-Zelle, Solarbox) von uns ausführlich vorgestellt werden.

Am 28. November wird in Berlin dazu übrigens auch eine
Buchvorstellung https://www.facebook.com/events/617460395106726/veranstaltet, bei der wahrscheinlich auch jemand von OSEG teilnimmt.

Gruss, Oliver

TITEL UNGLÜCKLICH
Der Titel ist vielleicht etwas unglücklich, denn was wollen wir an der Welt reparieren? Es gibt nichts zu reparieren, da sie nie funktioniert hat, es sei denn, man bezeichnet die Probleme, die wir z. B. in der Steinzeit hatten, als den erstrebenswerten Nonplusultra-Zustand.

Die Nachhaltigkeit (Naturnähe et alia) und das Ressourcenbewusstsein/Abfall oder was auch immer haben sich ebenfalls nicht geändert; Herrscher (vom Grundbesitzer bis zum Kaiser) haben sich zu allen Zeiten praktisch nie um die Natur oder Ähnliches gekümmert, wenn es Ziele zu erreichen gab (und die gab es). Wenn überhaupt, dann war es nur lokal und zeitlich begrenzt in Ordnung.

DAS AUSMASS DER BENÖTIGTEN RESSOURCEN ÜBERSCHREITET LANGFRISTIG DIE VERFÜGBARKEIT
Ist es nicht so, dass der Maßstab einfach zu groß wird für das, was unsere verfügbaren Ressourcen in Reichweite der Menschheit bieten können?

QUELLE
Der Titel ist daher nicht hilfreich und spielt den Kritikern unserer Bewegung in die Hände. Auch „Volksverhetzer“ sprechen oft davon, die Welt zu reparieren. „Reparierbar“ wäre als Titel mein Favorit gewesen. Das ist natürlich subjektiv. Aber ich habe einige Gründe für meine Kritik, da ich schon lange Teil dieser Bewegung bin, ein langjähriger aktiver Open-Source-Mitwirkender in verschiedenen Bereichen und Ländern bin und es sowohl harte Kritiker im echten Leben als auch virtuelle Kritiker an vielen Stellen gab (tagesschau.de, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Foren, z. B. hier auf forum.opensourceecolgoy.org, wo wir damit in Verbindung gebracht/beschuldigt wurden, indirekt Extremisten zu unterstützen, und auch Sicherheitsorganisationen (Polizei, Privatsektor, …) und Industrien haben unsere Entwicklungen bei ihren Inspektionen, z. B. hat die Biegemaschinenfirma Haemmerle Zofingen aus der Schweiz es versäumt, unsere Elektronik bei HAMAG zu reparieren, und will uns eine neue Maschine verkaufen, was der Open-Source-Ecology-Verfassung der Nachhaltigkeit widerspricht, die auch die Reparierbarkeit beinhaltet).

TERRORISMUS
Es ist auch nicht klug, Terrorismus einfach zu ignorieren, denn tatsächlich haben die Menschen Angst vor Terrorismus, und es ist unklug zu vernachlässigen, dass Terroristen ein Auge auf Open-Source-Technologie haben. Wir müssen dem aktiv entgegenwirken, und unsere Maschinen bei worlddevelopment sind entweder algorithmisch harmlos oder verfügen über Sicherheitsmaßnahmen gegen Missbrauch.
Denken Sie z. B. an eine autonome mobile Maschine wie einen 6-Achsen-Roboterarm auf einem Fahrgestell, der zu einer Tötungsmaschine umprogrammiert wird. Es ist wichtig, dass wir uns diesen Fakten stellen. Dann werden wir in der Lage sein, dem so weit wie möglich entgegenzuwirken (z. B. durch die Verwendung von Gelenken, die der Montage eines Maschinengewehrs am Roboterhandgelenk nicht standhalten, oder durch die Verwendung von Schrittmotoren, die nur langsam sind, sodass keine Schwertkampfmaschine oder Ähnliches ohne fundiertes Wissen erstellt werden kann)..
Und dann und nur dann hat ökologisches Open-Source-Denken eine Chance, praktisch zum Mainstream zu werden. Derzeit lachen nur wenige nicht über uns oder vertrauen uns oder glauben an uns. Auch denken nur wenige, dass es klug ist, vollständige Maschinenpläne offen bereitzustellen.

QUELLE
(Quelle: Feedback, das ich an der Universität, bei der Arbeit oder in umliegenden Dörfern erhalten habe, und ja, ich bin auf einem unangenehmen Bauernhof aufgewachsen, habe aber eigentlich weitgehend intellektuelle Familienmitglieder, habe mein Studium abgeschlossen, für die lokale Kommune gearbeitet, bin von Beruf Landwirt und arbeite gleichzeitig als Elektro- und Softwareingenieur, was bedeutet, dass ich den armen arbeitenden Menschen nahe stehe und gleichzeitig der nicht weniger, aber anders arbeitenden intellektuellen Elite, und als Open-Source-Enthusiast habe ich viele Hunderte von Menschen mit den Themen konfrontiert.)

Im Gegensatz zu Open Source Ecology hat Linux jedoch nicht den Anspruch, Mainstream zu werden, da die Menschen frei sind und das nutzen sollen, was ihnen am besten gefällt (nach ihrem aktuellen Wissensstand). Ökologisches, nachhaltiges Denken hingegen ist nicht signifikant, wenn nur ein kleiner Teil der Menschen so denkt. Es ist wie bei Maßnahmen gegen Klimaextreme und die Abhängigkeit von nicht erneuerbaren Energien (Öl, …): Wenn nur ein kleiner Teil seine Fahrräder benutzt, wird dies keine signifikante Wirkung haben.

ZURÜCK ZUM BUCH
Und obwohl der Titel leicht misszuverstehen ist und Volksverhetzern und Weltuntergangspropheten helfen mag, bedeutet das nicht, dass das Buch keine gute, informative Lektüre ist, insbesondere da es wahrscheinlich als „Repariere die Welt, wenn sie kaputtgeht, nach bestem Wissen und Gewissen“ gemeint ist.

Hi Jan,

Der Herausgeber des Buches, „Die Anstiftung“, ist sehr stark im Bereich Offene Werkstätten und Repair-Cafes aktiv und engagiert und in diesem Zusammenhang ist der Titel gemeint. Wenn ein potentieller Kritiker sich daran hochziehen wollte indem er den Titel oder einzelne Worte aus dem Zusammenhang reisst, dann liesse sich das zwar nicht vermeiden, aber dann wäre andererseits ohnehin jede weitere Diskussion sinnlos, da sie a priori zum Scheitern verurteilt wäre.

Abgesehen davon gilt für viele OpenHardware-Projekte im Allgemeinen, aber erst recht für OSEG im Besonderen, das sie keinen politischen Anspruch haben, bzw. sich keiner Seite im politischen Spektrum zurechnen lassen.

Gruss, Oliver