OpenECoin - grundlegende Design-Aspekte und Entwurf einer komplementären OpenEconomy-Währung

OpenECoin ist eine speziell auf OpenSourceHardwrae-Entwicklung ausgereichtete Komplementär-Währung und derzeit noch im experimentellen Stadium. In diesem Board kann über ein geeignetes Design und erste Test-Erfahrungen debattiert werden.
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case
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Re: OpenECoin - grundlegende Design-Aspekte und Entwurf einer komplementären OpenEconomy-Währung

Beitrag von case » Di 17. Okt 2017, 01:31

J.R.I.B. hat geschrieben:
Mo 16. Okt 2017, 22:07
Sebastians Argumente scheinen Olivers Hauptbedenken auch abzudecken. Siehst du das auch so Oli?
In weiten Teilen ja, insbesondere was die Vorzüge von FairCoin im Vergleich zu anderen Cryptocurrencies angeht. Insofern sehe ich FairCoin als optimale Besetzung für die Blockchain-Technologie sowie deren Einsatz im netzwerkabhängigen Bereich für überregionale Transfers.

Einzige Abweichung gibts im Bereich Geldschöpfung: Ich möchte gerne unbedingt etwas haben, was durch echte Sachwerte gedeckt ist und kein Fiat-Money sowie eine dezentralisierte Geldschöpfung durch Einzelpersonen ermöglicht und möchte von daher weiter an einer eigenständigen OpenECoin für den inneren Basis-Bereich festhalten.

Auch die Sache mit dem Bottom-Up Approach, also das die Geldschöpfung zunächst im Bargeld-Bereich erfolgt und dieses dann irgendwie in den digitalen Bereich geshiftet bzw. in den FairCoin-Space eingebunden wird, aber das beruht eher auf einer technischen Notwendigkeit:
Um möglichst rechtsicher und politisch unangreifbar zu sein, ist die Papierform unabdinglich, da es sich hierbei genaugenommen nicht um Geldscheine im üblichen Sinne handelt, sondern um Verträge vom Typ "Inhaberschuldverschreibung", welche einfach auf ein Papier gebracht werden das anstatt DinA4 eher eine Geldschein-typische Dimensionierung aufweist, so das man es im Portmonais bequem mit sich herumtragen kann.
--- Man wächst nur, indem man etwas zuende bringt und etwas anderes beginnt ---

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Tony Ford
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Re: OpenECoin - grundlegende Design-Aspekte und Entwurf einer komplementären OpenEconomy-Währung

Beitrag von Tony Ford » Mi 18. Okt 2017, 09:16

Bitcoin, FairCoin & Co. sind eine Weiterentwicklung eines Minuto und funktionieren abstrakt betrachtet gleich.
So wie du Minute (aus)drucken kannst, kannst du auch Bitcoin oder FairCoin ausrucken und dies fälschungssicherer ohne irgendwelche Stempel oder Unterschriften zu benötigen, weil du Signaturen mit einfachen technischen Hilfsmitteln ( Smartphone ) überprüfen kannst.
Ich denke dass sich Bargeld nicht langfristig halten wird, weil es wenig Vorteile, dafür umso mehr Nachteile mit sich bringt.
Z.B. braucht es Kassensysteme, Umtauschautomaten, eine Logistik dahinter die das Geld verteilt, Angriffspunkte für Raubüberfälle werden damit erhalten, usw.
Coins in Papierform kann jedoch eine gute und günstige Möglichkeit sein um Werte außerhalb des Online-Zugriffs verwahren zu können. Hierfür gibt es für Bitcoin, FairCoin, usw. Tools mittels denen man soetwas tun kann.

Zum Thema Schöpfung der FairCoins, Nein diese werden nicht nach dem Prinzip Fiat geschöpft.

Fiatgeld wird primär durch Geschäftsbanken / Kredite geschöpft.
Kredite wiederum vergeben Banken ( im Regelfall ) nur dann, wenn der Kreditnehmer liquide ist, d.h. Sicherheiten oder ein sicheres Einkommen vorzuweisen hat. Demnach ist im Regelfall der Großteil der geschöpften Euros auch mit entstehenden Werten gedeckt.
In den vergangenen Jahren ist man von diesem Regelfall etwas abgewichen, weil Staaten Staatsanleihen herausgeben ( letztendlich auch eine Art des Kredits ) und Zentralbanken diese Staatsanleihen aufkaufen, wohlwissend dass dieses Geld nur teils wieder zurückgezahlt werden wird und auch keine entsprechenden Werte gegenüberstehen. Ohne diesen Aufkauf von Anleihen braucht man kein Prophet sein um zu wissen, dass ein nennenswerter Teil unseres Geldes Heute vermutlich kaum noch etwas wert wäre.
Die Nullzinspolitik schafft hierfür die Rahmenbedingungen und ist existenziell notwendig, führt jedoch dazu, dass am Geldmarkt teils Strafzinsen für das Horten von Euro gezahlt werden müssen.

Daneben gibt es dann noch ca. 5-10% des Geldes welches in Bargeldform vorliegt und nun kann man sich vorstellen, wenn bedingt der Geldpolitik die Banken den Sparern unter Umständen noch Strafzinsen aufbürden müssen, dass spätestens dann Bargeld gehortet werden will. Wenn jedoch nur 5 bis 10% des Geldes in Bargeldform vorliegen, so kann Jeder mal selbst ausrechnen wie viel Geld er theoretisch von seinem Bankkonto abheben könnte, damit die Bank liquide bleibt. Deshalb sind viele Kleinsparer die ihr Geld abheben würden, gefährlich für den Fortbestand des Banken-/Geldsystems.

Deshalb bin ich der Meinung, dass sich die Menschen HEUTE darüber Gedanken machen sollten, wie sie die Abhängigkeit vom Fiatgeldsystem senken könnten. Und da spielt Bitcoin aber eben auch FairCoin mit seinem Ökonomiemodell eine interessante Rolle.


Im konkreten Fall deines Hofladens Oliver sehe ich folgende Möglichkeiten und Perspektiven:

- Kunde kommt in den Laden und bezahlt mit FairCoin oder OpenECoin ( colored FairCoin ). Beide Coins können mittels einer und derselben Wallet verwaltet werden.

- du als Händler bekommst die Coins gutgeschrieben und hast die Möglichkeit, diese in Echtzeit zu tauschen, z.B. FairCoin <-> OpenECoin oder FairCoin <-> Euro. Du selbst kannst einstellen, welche Coins in welcher Höhe du automatisch umtauschen lässt.

- für den seltenen Fall des Nichtvorhandenseins des Internet oder Stromes funktioniert im Regelfall dennoch das SmartPhone, so dass sich Tx offline vollziehen lassen. Zwar könnte ein Kunde theoretisch einen double-spend vollziehen, doch ich gehe mal davon aus, dass du 90% deiner Kunden bereits kennst und das Risiko im überschaubaren Rahmen liegt. U.a. sei zu bedenken, dass Kassensysteme ohne Internet und Strom auch nicht wirklich funktionieren, d.h. du keine Kartenzahlungen annehmen und Kassenbuchungen vornehmen kannst.
Perspektifisch ist das aber ein guter Punkt, welchen man in der FairCoop mit dem Aufbau eines eigenen Funknetzes sowie autarken Energieversorgungen begegnen könnte. U.a. gibt es ja bereits private Funknetze, vielleicht liesen sich hieraus FairCoop-Kooperationen erzielen :-)

- für den Fall Bargeld würde ich der Einfachheit nach wie vor bei Euro bleiben. Ich denke nicht, dass man Bargeld wird gänzlich verbieten können, man wird lediglich die Betragshöhen limitieren. Für den Autohändler vermutlich ein Problem, für deinen Hofladen definitiv nicht.
Bei größeren Beträgen z.B. beim Kauf eines PKWs kann es dann durchaus nützlich sein die Möglichkeit einer Paperwallet ( d.h. FairCoin in Papierform ) zu nutzen. Denn solch große Anschaffungen tätigt man eher selten, so dass der logistische Aufwand im Rahmen bleibt. Der Vorteil von solch Paperwallets ist, dass man diese einscannen und wieder online verwenden kann. D.h. FairCoins sind prinzipiell wandelbar.

- für den Fall der Wertdeckung möchte ich CoopShares ins Spiel bringen. CoopShares sind Genossenschaftsanteile, welche z.B. beim Aufbau oder Kauf von OpenELabs entstehen, Stichwort Blievenstorf. D.h. man könnte 1000€ in CoopShares von Blievenstorf investieren, womit diese Anteile wertgedeckt wären und diese CoopShares als Zahlungsmittel nutzen. Die CoopShares selbst sind auch nichts Anderes als colored FairCoins und liesen sich mit der Wallet transferieren.

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