Ergänzungs-Set Lineartrieb

Ein Baukasten-System mit genormten (Metall-)Bauteilen für Entwicklung und Prototyping von kleineren Maschinen. / A Metal Construction Set for prototyping and fast devolpment of small devices.
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case
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Ergänzungs-Set Lineartrieb

Beitrag von case » So 6. Jan 2013, 04:02

Hi,
ich hatte gerade ne Inspiration ;) Die Materialien für das Basis-Set sind inzwischen bei mir eingetroffen und ich hab versucht mit der Schieblehre am Extrusionsprofil rumzumessen um noch fehlende Maße rauszufinden und dabei kam mir dann die Idee.

Hab zwar noch genügend andere Baustellen, aber konnte es mir nicht verkneifen den Gedanken doch mal eben festzuhalten.

siehe Näheres dazu unter:

http://wiki.opensourceecology.de/Erg%C3 ... ineartrieb


Gruss, Oliver

PS: Und frohes neues Jahr!
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case
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Re: Ergänzungs-Set Lineartrieb

Beitrag von case » Do 6. Jun 2013, 02:51

Hi Leute,

mit drei Tagen konzentrierter Arbeit und etwas Hirnschmalz ist es mir jetzt gelungen, ein relativ einfaches Jig zu bauen, mit dem ich die Slider-Elemente aus PTFE oder auch POM mit einer wiederholbaren Genauigkeit herstellen bzw. zuschneiden kann. Also ggflls. auch in größeren Mengen.

Dabei kann ich schon während des Herstellungsprozesses einfache Anpassungen und Feintunings bezügl. der Strammheit bzw. des Spiels vornehmen, also z.B. so, dass es ganz am Anfang zunächst etwas strammer und nach einigen Malen hinundherschieben und etwas Abrieb dann optimal läuft, ohne überhaupt schon die eigentlich dafür vorgesehene Stellschraube dafür zu benutzen. Letztere kann dann wesentlich später zum Einsatz kommen, also etwa wenn nach längerem Gebrauch aufgrund von Abrieb mal wieder eine erneute Anpassung des Spiels erforderlich werden sollte.

Ich bin erfreut das das tatsächlich in der Praxis so klappt wie ich es mir in der Theorie vorgestellt habe, ich war mir im Vorfeld diesbezüglich nicht ganz sicher. Im Moment arbeite ich daran, einen kompletten Lineartrieb zu bauen um damit endgültig die Funktionstüchtigkeit dieses Prinzips unter Beweis zu stellen bzw. zu demonstrieren.

Wenn das auch wunschgemäß klappen sollte, dann stellt dieses System eine ernstzunehmende und deutlich kostengünstigere Alterative zu Systemen wie Openrails, mit seinen teuren Spezialschienen und V-Groove-Kugellagern und zu Vslot mit seinen teuren Spezial-Extrusionsprofilen und "Doppel-V-Groove"-Kugellagern dar (d.h., bei uns genügt ein einfache Stück Plastik und man kann es mit Standard T-Slot-profilen verwenden, und braucht nix Spezielles). Und nebenbei ist das System für spielarme Anwendungen mit höherer Genauigkeit geeignet. Ok, letzteres liegt in der Natur der Sache: Rollen und Zahnriemen basierte Systeme sind generell etwas schneller, da weniger Reibung, aber auch etwas ungenauer. Bei Slider-basierten Systemen kann man das Spiel in Anpassung an die Erfordernisse der jeweiligen Anwendung einstellen, aber auf Koste ggflls. erhöhter Reibung. Was bei einem Stepper-Motor mit gegebenem Drehmoment dazu führen würde, dass die Sache etwas langsamer wird.

Dies gilt aber auch nur für einen direkten Vergleich unter gleichen Bedingungen, sprich gleichstarkem Motor.

In der Praxis spricht aber natürlich nix dagegen, den scheinbaren Nachteil durch einen etwas stärkeren Motor zu kompensieren, falls eine hohe Geschwindigkeit wichtig für die Anwendung sein sollte. Das scheint mir aber eher ein kommerzieller Aspekt zu sein, grundsätzlich ist mir persönlich eine höhere Genauigkeit wichtiger als eine hohe Geschwindigkeit, aber ungeachtet dessen kann ich mit einem stärkeren Motor für ein paar Euro mehr auch beides haben.

Naja, soviel zur Theorie, in der Praxis ist jetzt erstmal wichtig, einen kompletten Lineartrieb auf die Reihe zu bekommen, nicht zuletzt auch deswegen, damit wir auf der Messe im August etwas Konkretes vorzuzeigen haben. Und abgesehen davon brauch ich den natürlich auch, um endlich mal die ganzen Teile für das Basis-Set automatisiert bohren zu können, ich stell mich doch nicht hin und mach das alles von Hand ;) ;)

Gruss, Oliver
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Re: Ergänzungs-Set Lineartrieb

Beitrag von Bastelmike » Sa 8. Jun 2013, 19:23

Hallo Oliver,

paar Anmerkungen zu Deiner Gleitführung gestattest Du mir hoffentlich.

1. Material
POM, ich weiss nicht. PTFE eher. Eine andere Möglichkeit wäre PA (Polyamid), da gibts die Möglichkeit, da eine gewisse Selbstschmierung einzubauen.
Du kannst das Polyamid in Öl (Maschinenöl, Getriebeöl) kochen. Wenn Du das einige Stunden machst, nimmst das PA in der obersten Schicht Öl auf, was beim allmählichen Verschleiss dann Schmierstoff freisetzt. Wird gelegentlich bei Gleitlagern aus PA gemacht, sollte also auch bei ner Gleitführung funktionieren.

2. Genauigkeit bei der Herstellung
Wenn Du das Spiel einstellbar machst, gibts keinen Grund, da hohe Genauigkeit anzustreben. Versteh mich nicht falsch, es ist absolut wichtig, dass das Bett, also das lange Teil der Führung, parallel (gleichdick) ist überall, sonst klemmt die Führung stellenweise und an anderen Stellen wackelt sie. Da sind Toleranzen im 0,01mm Bereich nötig.
Es gibt aber bei einstellbaren Führungen keinen Grund, das absolute Mass der Führungselemente eng zu tolerieren, weil man das Spiel ja bei der Montage einstellen kann. Zu teuer, unnötig
Also hohe Formgenauigkeit, grosse Masstoleranz.

3. Nachstellung
Ob die Nachstellung mit einer Stellschraube befriedigt, musste ausprobieren. Ich fürchte, das ist nicht feinfühlig genug und auch zu punktuell.
Normalerweise wird das bei Werkzeugmaschinen über schlanke Keile gemacht, Neigung so 1:10, 1:20. Diese werden durch eine Stellschraube gegeneinander verschoben, wodurch die Führung sehr feinfühlig nachstellbar ist.
Wichtig ist ferner, dass nach dem Einstellen des Spiels geklemmt wird, damit sich die Stellschraube nicht später bei Vibrationen lockert.
Wenn Du das jetzt nicht verstanden hast, mach ich Dir dazu mal ne Skizze.

Mike

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Re: Ergänzungs-Set Lineartrieb

Beitrag von case » Sa 8. Jun 2013, 23:55

Hi Mike,
Bastelmike hat geschrieben: paar Anmerkungen zu Deiner Gleitführung gestattest Du mir hoffentlich.
Ich bitte sogar drum und freu mich über das Feedback! ;)
1. Material
POM, ich weiss nicht. PTFE eher. Eine andere Möglichkeit wäre PA (Polyamid), da gibts die Möglichkeit, da eine gewisse Selbstschmierung einzubauen.
Du kannst das Polyamid in Öl (Maschinenöl, Getriebeöl) kochen. Wenn Du das einige Stunden machst, nimmst das PA in der obersten Schicht Öl auf, was beim allmählichen Verschleiss dann Schmierstoff freisetzt. Wird gelegentlich bei Gleitlagern aus PA gemacht, sollte also auch bei ner Gleitführung funktionieren.
PTFE hat den niedrigsten Reibungskoeffizienten von allen Materialien überhaupt, daher meine erste Wahl. POM hatte ich noch auf Lager und wollte es von daher gleich mit ausprobieren. PA kannte ich bislang noch nicht, aber das mit der Selbstschmierung hört sich interessant an, ich werds auf jedenfall mal mit auf die Liste der möglichen Materialien setzen. Im Moment möchte ich erstmal überhaupt etwas ans laufen bringen, aber mittelfristig möchte ich natürlich gerne das Material mit den besten Eigenschaften verwenden und bin von daher keineswegs auf PTFE festgelegt.
2. Genauigkeit bei der Herstellung
Wenn Du das Spiel einstellbar machst, gibts keinen Grund, da hohe Genauigkeit anzustreben. Versteh mich nicht falsch, es ist absolut wichtig, dass das Bett, also das lange Teil der Führung, parallel (gleichdick) ist überall, sonst klemmt die Führung stellenweise und an anderen Stellen wackelt sie. Da sind Toleranzen im 0,01mm Bereich nötig.
Ich bin gerade noch dabei das Ganze zusammenzubauen und werde in Kürze hoffentlich noch mehr darüber sagen können. Meinst Du mit das Bett den Slider oder die Alu-Schiene ?

Was ersteres betrifft, so hoffe ich durch die Art der Herstellung eine maximale Parallelität zu erreichen, aber ich muss gestehen, dass die 0.01mm bislang meine Möglichkeiten übersteigt, ich bewege mich im Moment im Rahmen der Messgenauigkeit meiner Schieblehre bei Toleranzen bis 0.1mm und diese Toleranz kann ich auch mit meinen Maschinen einigermaßen sicher erreichen (ich komme halt aus der Holzbearbeitung, da ist 0.1mm schon ganz ordentlich). Ich hab mir aber vor kurzem mal so eine Messuhr mit Magnethaltern zugelegt, da kann ich noch min. 1 Größenordnung höher messen, ich werd die Teile damit nochmal nachmessen.

Falls Du die Alu-Schiene meinst: Ich weiss nicht genau, wie da von Hause aus die Toleranzen sind, aber ich vermute mal, das da durch das Strangpressverfahren kleinere Unregelmäßigkeiten gegeben sind. Ich rechne diesbezüglich damit, das dadurch der abriebbedingte Verschleiss etwas höher sein wird, darum war es mir auch wichtig, das Spiel der Slider einstellen und ggflls. nach längerer Zeit bzw. in gewissen zeitlichen Abständen nochmal nachregulieren zu können.
Es gibt aber bei einstellbaren Führungen keinen Grund, das absolute Mass der Führungselemente eng zu tolerieren, weil man das Spiel ja bei der Montage einstellen kann. Zu teuer, unnötig
Also hohe Formgenauigkeit, grosse Masstoleranz.
Ja, verstehe. Eigentlich wollte ich auch nur meinem Erfolgserlebniss-Gefühl Ausdruck verleihen, das ich als Grobmotoriker das schon auf dieser Ebene so genau (d.h., für mich kontrollierbar genau) hinbekommen hatte ;)
3. Nachstellung
Ob die Nachstellung mit einer Stellschraube befriedigt, musste ausprobieren. Ich fürchte, das ist nicht feinfühlig genug und auch zu punktuell.
Normalerweise wird das bei Werkzeugmaschinen über schlanke Keile gemacht, Neigung so 1:10, 1:20. Diese werden durch eine Stellschraube gegeneinander verschoben, wodurch die Führung sehr feinfühlig nachstellbar ist.
Wichtig ist ferner, dass nach dem Einstellen des Spiels geklemmt wird, damit sich die Stellschraube nicht später bei Vibrationen lockert.
Wenn Du das jetzt nicht verstanden hast, mach ich Dir dazu mal ne Skizze.
Ich glaube, ich verstehe das mit den Keilen prinzipiell, fürchte aber, das jetzt mit meinen Mitteln so noch nicht realisieren zu können. Es spricht aber auch nichts dagegen, bzw. ich würde es mir wünschen, das Lineartrieb-Set später noch um professionellere Varianten zu ergänzen.

Das dieser Trieb für typische CNC-Anwendungen noch nicht das Beste und Genaueste sein wird, dessen bin ich mir bewusst, ich habe aber ausser Anwendungen wie 3D-Printer und Circuit-Mill auch noch ein paar andere Anwendungen im Hinterkopf, bei denen die Genauigkeit nachrangig ist, z.B. brauche ich demnächst eine größere Anzahl von möglichst kostengünstigen Trieben für Solar-Nachführungen von Photovoltaik-Panels.

Ein anderer Aspekt ist, dass diese erste Variante vor allem als eine Art "Bootstrap"-Device gedacht ist. Ich weiss nicht, ob Dir das vom 3D-Printer her geläufig ist (Stichwort: Repstrap), aber die Idee dahinter ist, das man sich erstmal ein grobes Device mit wieauchimmer gearteten Mitteln (z.B. aus Holz und mit Schubladenrollauszügen) möglichst preisgünstig zusammenzimmert, mit dessen Hilfe sich dann die ersten Teile drucken lassen. Damit druckt man sich dann die Teile für einen ersten "richtigen" 3D-Printer, verwendet dann die Elektronik, Stepper, Druckkopf usw. vom Bootstrap-Device und schmeisst den Rest weg oder verwendet ihn für was anderes.

Man zieht sich also nach Münchhausen-Manier quasi selbst am Zopf aus dem Sumpf.

Ähnlich bei mir: Am Anfang habe ich noch gar nichts, aber ich versuche mir, notfalls mit groben Mitteln, eine Minimum an Teilen zu schaffen (Basis-Set), aus dem ich dann später feinere oder genauere Devices bauen kann, mittels denen ich ein neues Basis-Set mit besserer Genauigkeit und engeren Toleranzen bauen kann. Im Moment bin ich dabei mir sozusagen einen Bootstrap-Bohrautomaten zu bauen. Bei manchen Teilen muss ich noch improvisieren, also diese z.B. aus Holz (Multiplex-Platte) bauen, weil ich keine andere Möglichkeit habe, Z.B. habe ich momentan noch keine Möglichkeit, für die Motoraufnahme des Steppermotors ein kreisrundes Loch von 38mm Durchmesser im eine Aluplatte zu fräsen. Also mache ich die Aufnahme aus Multiplexplatte und bohre das Loch mit einem Forstnerbohrer, was meinen aktuell vorhandenen Mitteln entspricht. Später wird dieses Holzteil dann natürlich durch eine entsprechende Alu-Platte ersetzt.

Na, wieauchimmer, als erstes muss ich den Lineartrieb ans laufen kriegen und hoffe in Kürze konkretere Einzelheiten berichten zu können .

Gruss, Oliver
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Re: Ergänzungs-Set Lineartrieb

Beitrag von Tony Ford » Di 11. Jun 2013, 13:17

Hallo Oliver

bezüglich Slider, ich habe Möbel, dort lassen sich die Schubkästen nicht mehr verünftig schieben.
Und damit bin ich nicht der Einzige, der darüber klagt, meine Eltern haben auch mehrere Möbel, bei denen dieser Mechanismus die Hufe gemacht hat.

D.h. ich würde mir gerne mal einen solchen Slidermechanismus dafür bauen wollen.
Hast du ne Anleitung, wie ich zu einem einfachen Jig gelange bzw. wie ich anfangen kann?
D.h. ich bräuchte eine Art Kurzanleitung, wie ich zu dem Jig und den Materialien gelange und worauf ich grob achten muss.

Wäre cool, wenn du sowas anbieten könntest, evt. könnte ich dann weiter machen und jene Anleitung soweit ausgestalten, dass sich dann Jeder sowas für seinen Schubkästen bauen könnte.
U.a. könnte man mit solch kleinen Dingen "Werbung" für einen solchen Kasten machen, denn wiegesagt, häufig sind es die kleinen Dinge im Leben wie ein klemmendes Schubfach, wofür viele Menschen eine gute Lösung suchen. Die aktuelle Lösung besteht da momentan bei den meisten Menschen darin, dass das Schubfach halt klemmt oder eben ein neuer Schrank gekauft wird.

TF

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Re: Ergänzungs-Set Lineartrieb

Beitrag von case » Di 11. Jun 2013, 16:03

Hi Sebastian,

Dein Posting enthält einige sehr gute Ansätze wie z.B. Deinen Vorschlag mit dem Jig, die genau in die Richtung gehen (z.B. home-fabbing), die mir auch vorschwebt, allerdings mit einem kleinen Unterschied im Fokus, den ich gleich noch näher erläutern möchte.

Bezüglich der Schubladenauszüge selbst wird das aber so leider nicht gehen, aus folgenden Gründen:

1. Das Jig was ich zu Herstellung der Slider verwende ist nicht auf Verwendung mit Handwerkzeugen ausgelegt (obwohl das etwas ist was ich grundsätzlich auch propagiere, aber bei den Slidern gings nicht anders) sondern funktioniert im Zusammenspiel mit meiner großen, gusseisernen Präzisionstischkreissäge.

2. Das Sliderelement ist konzipiert für die T-Slot-Extrusionsprofile. Für einen Schubladenauszug sind die mit 20cm deutlich zu breit, vor allem bei bereits bestehenden Schubladen (die Du dann um min. 4cm schmaler machen müsstest), bei einer Neukonstruktion eines Möbels wäre das schon eher möglich.

3. Aber selbst dann müsste man noch die Richtung der Krafteinwirkung (vertikal statt horizontal) und die Art des Verschleises berücksichtigen. Die Slider sind in einer "normalen" Anwendung liegend ausgerichtet, wodurch der Verschleiss gleichmässig erfolgt (und der Slider dann irgendwann nachjustiert werden kann). Bei einer Schubladenanwendung würden die quasi auf die Seite gedreht und die Kraft drückt von oben nach unten, so dass der Verschleiss einseitig auf der nun unten liegenden Seite erfolgt und nachjustierung später nicht mehr möglich bzw. witzlos wäre.

Es gibt einen Anwendungsfall wo man tatsächlich Rollauszüge damit ersetzen kann, und das ist, wenn jemand die Rollauszüge sozusagen zweckenfremdet um sich damit eine "Käsefräse" oder sowas wie einen RepStrap (siehe z.B. http://reprap.org/wiki/WolfStrap/de ) zu bauen, hier wäre unser Lineartrieb die bessere Wahl bzw. ein guter Ersatz.

Bezügl. der Möbel würde ich Dir empfehlen, dir mal anzuschauen ob man die nicht wieder mit den dazu üblichen Methoden gängig machen kann, als da wäre:

1. Bei Schubladen mit mechanischem Rollauszug diesen wenn defekt ggflls. durch einen neuen zu ersetzen, die gibts normalerweise in jedem Baumarkt und kosten auch nicht viel.

2. Bei Schubladen mit einer Gleitschiene aus Holz musst Du Dir anschauen, wo und warum es klemmt. Wenn die Schiene verzogen ist kann man u.U. durch etwas abhobeln oder abschleifen die Sache richten. Manchmal haben die inzwischen zuviel Spiel, da wirds schon etwas schwieriger die Sache um wenige mm dicker zu machen, aber in manchen Fällen kannman sich hier mit sog. Kantenumleimern helfen, die haben aufgrund ihrer Kunststoffbeschichtung auch meist recht gute Gleiteigenschaften. Manchmal hat sich auch das im Korpus befestigte "Gleitbett" eingeschliffen (ich weiss nicht wie ich das beschreiben soll), das kann man ev. austauschen durch eine ähnlich dimensionierte Leiste aus Buchenholz. Und zu guter letzt: In vielen Fällen hilft es, die Gleitfläche einfach zu wachsen, das ist dann so, wie wenn man bei einer schwergängigen Tür das Scharnier ölt.

Aber zurück zur eigentlichen Sache:
Tony Ford hat geschrieben: Hast du ne Anleitung, wie ich zu einem einfachen Jig gelange bzw. wie ich anfangen kann?
D.h. ich bräuchte eine Art Kurzanleitung, wie ich zu dem Jig und den Materialien gelange und worauf ich grob achten muss.

Wäre cool, wenn du sowas anbieten könntest, evt. könnte ich dann weiter machen und jene Anleitung soweit ausgestalten, dass sich dann Jeder sowas für seinen Schubkästen bauen könnte.
Hier passt gerade nicht, aber prinzipiell ist das auf jedenfall ein guter Gedanke, den man auf soviele Bauteile wie möglich anwenden sollte. Oder anders formuliert: Wann immer es möglich ist, Bauteile mit Handwerkzeugen und entsprechenden Jigs herzustellen würde und wir auch tatsächlich solche Anleitungen bereitstellen, würde damit der Baukasten deutlich aufgewertet werden. Zumindest in meinen Augen und auch wenn in unserer Konsumgesellschaft viele Leute vielleicht zu bequem dafür wären und sich die Teile lieber fertig kaufen würden, ich mein, dass können sie ja ausserdem gerne tun, aber so hätte zumindest jeder die freie Entscheidung.
U.a. könnte man mit solch kleinen Dingen "Werbung" für einen solchen Kasten machen, denn wiegesagt, häufig sind es die kleinen Dinge im Leben wie ein klemmendes Schubfach, wofür viele Menschen eine gute Lösung suchen. Die aktuelle Lösung besteht da momentan bei den meisten Menschen darin, dass das Schubfach halt klemmt oder eben ein neuer Schrank gekauft wird.
Dem stimme ich grundsätzlich zu und würde das unter dem Oberbegriff "homefabbing" subsummieren. Ich sehe den Schwerpunkt des Kits denn auch u.a. am ehesten darin, das man sich damit

1. typische Homefabbing-Geräte wie eben den berühmten 3D-Printer selbst und günstig bauen kann, d.h. eher noch einen solchen als universelles Homefabbing-Gerät, als wie ein Gerät was speziell Schubladenauszüge fabriziert.

2. in Fällen, wo man aber denn doch unbedingt ein sehr spezielles Fabbing-Gerät haben möchte, dieses auch sehr schnell und einfach mit dem Baukasten erstellen kann oder ein bereits bestehende modifzieren kann.

3. da es sich um einen Baukastensystem für Prototyping handelt, kann man auch Teile wiederverwenden oder auch schon mal bestehende Geräte durchaus auch wieder zerlegen oder Teile davon entnehmen. Genau das ist der Grund dafür (oder zuindest ein Grund), warum die Profile eben ganze Reihen von Löchern haben und man die damit verbundene Materialschwächung sozusagenbilligend in Kauf nimmt.

Alles in allem sind das wohl eher marginale Unterschiede zu Deinem ursprünglichen Vorschlag, aber ich empfand es für mich als gute Gelegenheit diese Feinheiten im Schwerpunkt nochmal zu betonen und gleichzeitig auch den grundsätzlich richtigen Ansatz von Dir zu unterstreichen.

Gruss, Oliver
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Re: Ergänzungs-Set Lineartrieb

Beitrag von Tony Ford » Di 11. Jun 2013, 21:25

Hallo Oliver

danke für dein schnelles Feedback.
Da werd ich mal schauen, was ich da mit meinen Schubfächern mache.

Was ich aber beim Suchen gerade gefunden habe ist mein Handtuchhalter/ständer ;-)

http://www.ebay.de/itm/Gewehrablage-Sch ... 23283c8497

Sowas im Grunde stelle ich mir darunter vor und solche Alu-Profile könnte man aus dem Baukasten verwenden und anbieten. Sowas baue ich mir vielleicht einfach mal selbst ;-)

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Re: Ergänzungs-Set Lineartrieb

Beitrag von case » Di 11. Jun 2013, 23:47

Hi Sebastian,

Super Sache !!!

Und btw. spricht es für Dich als pazifistischen Mitmensch, eine Gewehrablage/Schießhilfe in einen Design-Handtuchhalter umzufunktionieren bzw. darin zu sehen, das nenn ich mal ein gelungenes Beispiel für Dual-Use-Rüstungsgüter *lach*.


Ich schlag Dir einen Deal vor:

Wenn DU mit Hilfe der von mir und Mike erstellten Bauteile-Libraries vom Basis-Set einen Handtuchhalter (der vom Materialumfang her ähnlich dimensioniert ist wie das eBay-Teil, aber ansonsten frei nach Deinem Geschmack) konstruierst (etwa mit Sketchup oder FreeCad) und diesen Entwurf als Konstruktionsbeispiel fürs Wiki zur Verfügung stellst, spendiere ICH Dir dafür die benötigten Bauteile gratis, sobald ich dazu in der Lage bin diese Bauteile in Serie zu produzieren (und daran arbeite ich gerade, d.h., konkret, an einem Bohrautomaten).

Wäre das ein akzeptabler Vorschlag ?

Über die Details können wir dann noch reden, z.B. brauchts da wohl noch diese Endkappen, ein typisches Anwendungsbeispiel für einen 3D-Drucker (den ich hopffentlich auch irgendwann mal demnächst haben werde), die könnte man entweder auch selbst entwerfen, aber ich bin mir zu 99,9% sicher, dass es dafür bereits fertige Entwürfe auf Thingiverse gibt.

Gruss, Oliver
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Re: Ergänzungs-Set Lineartrieb

Beitrag von case » Mi 12. Jun 2013, 04:23

Hi,

hier ein Bild von einem ersten Konstruktionsentwurf für einen Lineartrieb.
Bild

Mehr Bilder davon gibts unter
http://wiki.opensourceecology.de/Proof_ ... ept_Slider

Gruss, Oliver
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Re: Ergänzungs-Set Lineartrieb

Beitrag von Tony Ford » Mi 12. Jun 2013, 17:44

Hallo Oliver

du sprichst mir aus der Seele, genau dies dachte ich mir so. Muss mich dafür aber erstmal in FreeCAD einarbeiten, d.h. etwas wird es dauern ;-)

Was mir dabei auch noch auffällt ist, dass man die einzelnen Teile im Set evt. noch eine Kennung geben sollte.

T-Slot-Profil Nut 640mm
z.B. TSPN-640, damit man die Teile eindeutig identifizieren, suchen, tauschen, kaufen, verkaufen, usw. kann.

Meine Vision wäre es, dass man sich nämlich eine Kontruktion z.B. Handtuchhalter aus dem Web lädt, dort dann Bauanleitung sowie benötigte Teile sowie Bezugsquellen vorfindet und jene Teile dann gezielt handeln und tauschen kann. Ideal wäre es, wenn es die Teile lokal vor Ort gäbe, man in jedem Ort Leute findet, welche ein Basisset vorrätig haben oder eben Teile selbst herstellen oder beziehen können.
Es evt. Leute gibt, welche für Kunden gegen einen kleinen Aufpreis den Handtuchhalter gleich montieren, demontieren oder umrüsten.

Neben dem Handtuchhalter bräuchte ich u.a. auch noch zwei kleine Regale für den Dachboden, denn die Kunststoffregale sind instabil und gefallen mir nicht, da würden sich solche Regale mittels Profile ebenfalls anbieten.

Echt Schade, dass meine Freizeit so begrenzt ist, man müsste sowas Vollzeit machen können.

TF

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